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Erstveröffentlichung dieses Artikels: 05/09/2009 - Quelle: NJ-Autoren |
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Die Akte Sobibor |
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Anläßlich des Sobibor-Prozesses gegen den hochbetagten John Demjanjuk veröffentlichen wir "Die Akte Sobibor", erstellt von revisionistischen Wissenschaftlern und unabhängigen Holocaust-Forschern. |
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Die gnadenlose Hatz auf den greisen John Demjankuk |
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Das offizielle Sobibor-Bild und die zeitgenössischen Dokumente |
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Der Schlüsselzeuge |
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Die Entstehung des Mythos |
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Das Lager Sobibor in der offiziellen Geschichtsschreibung |
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Teil 6 |
Julius Schelvis' Standardwerk über Sobibor. Eine kritische Analyse |
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Toivi Blatt, sein Tagebuch und sein Gespräch mit Karl August Frenzel |
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Sobibor-Gaskammern: Augenzeugenberichte und Offizialgeschichte |
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Die beiden Sobibor-Prozesse von 1950 |
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Der Sobibor-Prozess in Hagen (1965/1966) |
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Sobibor Prozesse in Israel, der UdSSR, Brasilien und Österreich |
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Die vergebliche Suche nach dem Vergasungsgebäude |
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Die Massengräber |
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Holzbedarf und Verbrennungsasche |
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Die nationalsozialistische Judenpolitik |
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Durchgangslager Sobibor |
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Die Opferzahl von Sobibor. Eine Hypothese |
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Die Abdankung der Vernunft |
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Das Schicksal der in die Ostgebiete deportierten Juden |
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Der Fall Demjanjuk |
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Schlussfolgerung |
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Seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahre 1993 hat Julius Schelvis’ Buch Vernietigingskamp Sobibor nicht weniger als acht Auflagen erlebt. Es wurde 1998 ins Deutsche [1] und 2006 ins Englische [2] übersetzt. Da J. Schelvis seine Position in einigen wichtigen Punkten wie der Opferzahl des Lagers modifiziert hat, stützen wir uns bei der folgenden Analyse auf die bisher letzte, im Jahre 2008 erschienene niederländische Ausgabe [3], von der wir annehmen dürfen, dass sie die heutigen Auffassungen des Autors zu diesen Fragen widerspiegelt. J. Schelvis’ Interesse an Sobibor hat einen sehr tragischen persönlichen Hintergrund: Am 1. Juni 1943 wurde er zusammen mit 3.005 anderen holländischen Juden, darunter seiner Gattin Rachel und anderen Verwandten, nach Sobibor deportiert. Als einer von rund 80 Häftlingen wurde er von dort aus bereits nach wenigen Stunden in das Arbeitslager Doruhuzca überstellt. Nach einer zweijährigen Odyssee durch Polen und Deutschland wurde er am 8. April 1945 im süddeutschen Vaihingen durch französische Truppen befreit. Seinen Angaben zufolge war er der einzige Überlebende seines Transports (S. 12, 13). Mit seiner umfangreichen Bibliographie und seiner Fülle an Fussnoten tut Vernietigingskamp Sobibor in formaler Hinsicht sämtlichen Kriterien einer wissenschaftlichen Studie Genüge. Im Gegensatz zu fast all seinen Vorgängern erweist sich J. Schelvis bei seiner Schilderung des "Vernichtungslagers" als intelligenter Pragmatiker, der allerlei unnützen Ballast der traditionellen Geschichtsschreibung über Sobibor über Bord wirft. Er verzichtet weitgehend auf jene Horrorgeschichten, welche beispielsweise die Auslassungen einer M. Novitch in den Augen eines jeden denkfähigen Lesers von vorneherein unglaubwürdig machen. Seine SS-Männer schlagen die Juden zwar mit Peitschen und Stöcken, wenn sie nicht rasch genug arbeiten, nehmen jedoch davon Abstand, ihnen Ratten in die Hosen einzunähen, ihnen in den Mund zu urinieren und Säuglinge in der Luft zu zerreissen; der SS-Mann Bredow war zwar "bei den Gefangenen als brutaler Kerl bekannt, der sie ständig misshandelte" (S. 284), legte aber nicht, wie bei M. Novitch, Tag für Tag fünfzig Juden mit seiner Maschinenpistole um. Bei seinem Umgang mit den Augenzeugenberichten bedient sich Schelvis der Taktik, alle von vorneherein unglaubhaften Passagen auszumerzen. So räumt er in seinem Kapitel über den Aufstand (S. 171-199) den Ausführungen des Schlüsselzeugen Alexander Petscherski zwar viel Platz ein, und die 1967 erschienene englische Übersetzung von Petscherskis Bericht aus dem Jahre 1946 erscheint in der Bibliographie, doch werden Aussagen, die einen aufmerksamen und mit der Standardversion von Sobibor vertrauten Leser misstrauisch stimmen müssten – Petscherskis bizarre Beschreibung des Ausrottungsprozesses etwa oder seine vom Standpunkt der orthodoxen Geschichtsschreibung aus anachronistische Behauptung, noch im September 1943 sei in Sobibor jeden zweiten Tag ein Transport von Neuankömmlingen vernichtet worden [4] -, sorgfältig ausgeblendet. In anderen Worten: Schelvis behandelt die Zeugenaussagen selektiv, so dass ein Leser, der nicht zu den Originalquellen greift, ihre Absurdität nicht erkennt. Auch bei der Festlegung der Opferzahl des Lagers geht Schelvis pragmatisch vor und beharrt – im Gegensatz zu B. Distel und Konsorten – nicht stur auf der seit Bekanntwerden des Höfle-Funkspruchs unmöglich gewordenen alten Zahl von 250.000 Opfern. Auf S. 266 schreibt er: "Jahrelang wurde davon ausgegangen, dass zwischen 200.000 und 250.000 Juden ins Vernichtungslager Sobibor deportiert wurden. Neue Forschungen ergeben, dass diese Ziffer nach unten revidiert werden muss. Die [neue] Zahl fusst auf einem Funkspruch von Hermann Höfle, der als SS-Sturmbannführer einer der Spitzenfunktionäre der Aktion Reinhardt in Lublin war." Zu den 101.370 im Jahre 1942 nach Sobibor gelangten Juden errechnet J. Schelvis für 1943 weitere 68.795 Deportierte, davon:
Für die Niederlande und Skopje sind Schelvis’ Zahlen hieb- und stichfest dokumentiert. In bezug auf das Generalgouvernement beruft er sich auf eine (offenbar noch unveröffentlichte) Studie von Peter Witte (S. 232). Für Frankreich ist seine Ziffer um rund 1.500 höher als diejenige Serge Klarsfeld, der in seinem Standardwerk Le Mémorial de la Déportation des Juifs de France von insgesamt 2.002 nach Sobibor deportierten französischen Juden spricht [6]. Bezüglich der besetzten Ostgebiete stützt sich Schelvis ausschliesslich auf Augenzeugenberichte [7]. Wir schliessen daraus, dass es keine dokumentarischen Unterlagen über diese Transporte gibt – was natürlich nicht heissen muss, dass sie nicht stattgefunden haben. Unter diesen Umständen ist die Annahme statthaft, dass Schelvis’ Zahl von knapp 69.000 im Jahre 1943 nach Sobibor deportierten Juden um einige tausend zu hoch angesetzt ist. Dass sie der Grössenordnung nach stimmt, unterliegt allerdings keinem Zweifel. Hinsichtlich der Anzahl der nach Sobibor gelangten Juden besteht also wenig Grund, Schelvis zu kritisieren, doch wer beweisen will, dass diese Juden bis auf wenige Ausnahmen vergast wurden, muss natürlich den Nachweis dafür erbringen können, dass das Lager mit Menschentötungsgaskammern ausgerüstet war. Betrachten wir nun, wie Schelvis diese Aufgabe in seinem Kapitel "Die Gaskammern" (S. 116-133) zu lösen versucht. Auf den ersten vier Seiten dieses Kapitels skizziert er, gestützt auf Augenzeugenberichte, die Entstehung der (angeblichen) Gaskammern von Belzec. Er zitiert eingangs eine 1945 abgegebene Erklärung des Polen Stanislaw Kozak, der beim Bau der ersten Gaskammer in Belzec mitgewirkt haben will. Bei dieser handelte es sich Kozak zufolge um ein 12 x 8 m grosses, rund zwei Meter hohes Gebäude, das durch hölzerne Wände in drei Räume unterteilt war (S. 116). Schelvis führt anschliessend mehrere Zeugenaussagen über Belzec an und fährt fort: "Die ersten Gaskammern in Sobibor wurden nach dem ursprünglichen Modell von Belzec gebaut. […] Ein Motor, der das tödliche Gas produzieren konnte, wurde aus Lemberg herbeigeholt und an Rohrleitungen angeschlossen. Erich Fuchs, der das Ungetüm herbeigeschafft hatte, sagte dazu…" (S. 120). Es folgt eine Aussage des ehemaligen SS-Mannes Erich Fuchs, abgegeben am 2. April 1965 bei einem Verhör in Düsseldorf. Hierauf schliessen sich andere, ebenfalls aus den sechziger Jahren stammende Erklärungen früherer Angehöriger des Lagerpersonals von Sobibor an, darunter eine von Erich Bauer vom 6. Oktober 1965 im Rahmen des Sobibor-Prozesses in Hagen abgegebene. Letztere Aussage kommentiert Schelvis wie folgt: "Anhand dieser Erklärung kann man schliessen, dass die Gaskammern in Sobibor identisch mit jenen in Belzec waren. Gegen Ende April 1942 fanden in Sobibor die ersten Probevergasungen statt" (S. 121). Als Zeuge für diese "Probevergasungen" dient abermals E. Bauer. Von den 68 Fussnoten des Kapitels über die "Gaskammern" verweisen nicht weniger als 40 auf Gerichtsverfahren in der BRD! Schlagender könnte kaum demonstriert werden, dass die "Beweise" für die Menschenvergasungen in Sobibor lange nach Kriegsende von der westdeutschen Justiz fabriziert worden sind. Auf die Zeugenaussagen der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit kann sich Schelvis in der Tat nicht berufen, denn keiner dieser Zeugen hatte von einem in mehrere Räume untergliederten Vergasungsgebäude gesprochen, in denen Menschen mit Motorabgasen umgebracht wurden. Sofern sich die ersten Zeugen überhaupt zur Tatwaffe äusserten und den Vernichtungsprozess beschrieben, erwähnten sie ganz andere Mordmethoden, vor allem Chlor oder (im Fall Petscherski) eine nicht näher definierte "schwarze Flüssigkeit". Die heutige Version - Tötung der Häftlinge mit Motorabgasen in einem in mehrere Gaskammern unterteilten Gebäude - war erstmals 1947 von der "Kommission zur Untersuchung der deutschen Verbrechen in Polen" aufgestellt worden, welche diese Behauptung freilich nicht mit Zeugenaussagen untermauerte, sondern sich auf den Gerstein-Bericht über Belzec berief [8]. Gleich zu Beginn des Schelvis-Buchs fndet sich folgende, fürwahr erstaunliche Passage: "Eine Anzahl polnischer Überlebender hat kurz nach der Befreiung Polens anno 1944, als noch keine Rede von Prozessen war, Erklärungen über die Geschehnisse im Lager und die daran beteiligten Missetäter abgelegt. Sie litten noch so sehr unter den eben überstanden Peinigungen, dass sie einigen namentlich genannten Schergen spezifische Verbrechen zuschrieben, von denen sie Jahre später nicht mehr sicher wussten, ob sie sich zugetragen hatten. Manche kannten lediglich die Vornamen [der Täter]. Diese Zeugnisse sind als Zeitdokumente zu sehen und dürfen nicht als juristische Anklagen aufgefasst werden, bei denen jedes Komma und jeder Punkt am richtigen Ort stehen muss. Trotz ihrer Ungenauigkeiten sind sie von grossem Wert, weil sie frisch aus dem Gedächtnis abgelegt wurden und nicht durch spätere Schriften oder Aussagen anderer beeinflusst waren" (S. 11). Ohne es zu ahnen, fällt Schelvis hier ein vernichtendes Urteil über den Wert der Zeugenaussagen zu Sobibor. Wenn schon die Belastungszeugen, die sich 1944, 1945 oder 1946 zu Wort gemeldet hatten, "Jahre später" nicht mehr wussten, ob sich die von ihnen behaupteten Verbrechen wirklich zugetragen hatten, wie kann man dann die Aussagen von Zeugen, die erst zwei Jahrzehnte nach Kriegsende aussagten, als unumstössliche Wahrheit anerkennen? Schliesslich pflegt das menschliche Erinnerungsvermögen mit dem Vergehen der Jahre gemeinhin nicht besser, sondern schlechter zu werden. Noch entlarvender ist Schelvis’ Bemerkung, die Erklärungen der frühen Zeugen seien von grossem Wert, weil sie "frisch aus dem Gedächtnis abgelegt wurden und nicht durch spätere Schriften oder Aussagen anderer beeinflusst waren". Im Klartext bedeutet dieser Satz nämlich, dass die späteren, bei den Prozessen der fünfziger und sechziger Jahren aufgebotenen Zeugen durch "spätere Schriften oder Aussagen anderer" beeinflusst worden sind. Dies muss in der Tat der Fall gewesen sein, denn dass es in Sobibor ein in mehrere Kammern unterteiltes Vergasungsgebäude gab, in dem die Juden mit Motorabgasen zu Tode gebracht wurden, hatte kein einziger dieser Zeugen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren je behauptet! In Übereinstimmung mit den anderen orthodoxen Historikern schreibt Schelvis, ab Herbst 1942 seien die Leichen der Ermordeten in Sobibor ausgegraben und unter freiem Himmel verbrannt worden (S. 131). An die immensen technischen Schwierigkeiten, welche die Einäscherung von 170.000 Leichen unter freiem Himmel mit sich gebracht hätte, verschwendet er keinen Gedanken. Er rügt zwar beiläufig, dass es die polnische Justiz nach dem Kriege versäumte, in Sobibor forensische Untersuchungen anzuordnen (S. 230), fragt jedoch nicht nach den möglichen Ursachen dieser erstaunlichen Unterlassung. J. Schelvis’ Buch ist zweifellos das Beste, was die Verfechter des offiziellen Sobibor-Bildes ins Feld führen können, doch manchmal ist auch das Beste nicht gut genug. So wenig wie seine Vorgänger vermag Schelvis auch nur die Spur eines Beweises dafür zu erbringen, dass die nach Sobibor deportierten Juden dort in Gaskammern ermordet worden sind – weil nicht einmal ein Ehrendoktor der Universität Amsterdam einen solchen Beweis aus dem Nichts herbeizaubern kann. Selbstverständlich müssen sich die Kritiker des orthodoxen Sobibor-Bildes der Frage stellen, was denn mit den (bis zu 170.000) nach Sobibor gebrachten Juden geschah. Den Schlüssel zur Lösung dieser Frage liefert Schelvis selbst. Wir zitieren nun einen längeren Auszug aus seinem Kapitel "Ankunft und Selektion": "Die Abwicklung der Transporte verlief nach einiger Zeit gemäss einem festen Muster. […] Nach ihrem Eintreffen wurden die Männer von den Frauen geschieden. Man brachte die Männer auf den Auskleideplatz im Lager 2. Die Frauen wurden in einen anderen Teil des Lagers geführt. Sofern dies nicht bereits an der Rampe geschehen war, hielt ein SS-Mann eine kurze Ansprache. In den meisten Fällen war dies – bis zu seiner Überstellung nach Treblinka – der SS-Oberscharführer Hermann Michel. Von den Arbeitshäftlingen wurde er der Doktor genannt, weil er einen weissen Kittel trug, wenn er vor der Menge eine Ansprache hielt. […] Michel sagte ungefähr folgendes: 'Weil Krieg ist, muss jeder arbeiten. Ihr werdet an einen Ort geschickt, wo ihr es gut haben werdet. Alte Menschen und Kinder brauchen dort nicht zu arbeiten, werden aber trotzdem zu essen bekommen. Ihr müsst euren Körper sauber halten. Die Umstände, unter denen ihr die Reise gemacht habt, und die Tatsache, dass so viele Menschen nebeneinander in einem Wagen sassen, erfordert es, dass hygienische Massnahmen getroffen werden. Darum müsst ihr euch sofort ausziehen und duschen gehen. Eure Kleidung und Gepäck werden bewacht. Eure Kleider müsst ihr säuberlich auf einen Haufen legen und eure Schuhe paarweise aneinander binden. Die müsst ihr davor stellen. Wertgegenstände wie Gold, Geld und Uhren gebt ihr beim Kiosk ab. Die Nummer, die man euch hinter dem Schalter zuruft, müsst ihr im Kopf behalten, damit ihr euer Eigentum schnell und leicht wiederfinden könnt. Wenn wir nach dem Duschen bei euch noch Wertgegenstände vorfinden, werdet ihr bestraft. Es gibt ein Handtuch für jeweils zwei Personen.' (…) Michel hielt seine Ansprache voller Überzeugungskraft. […] Er erzählte manchmal, dass dieses Lager ein Durchgangslager war und dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Reise in die Ukraine weiterging. Dort werde es eine jüdische Selbstverwaltung geben. Bisweilen sagte er auch, die Reise gehe nach Riga" (S. 90). Bald darauf, so Schelvis, traten die gröblich Getäuschten den Gang in die Gaskammern an. Wozu war dieses Theater nötig? Um eventuelle Fluchtversuche zu verhüten? Solche wären von Anfang an hoffnungslos gewesen, denn die ukrainischen Wächter, die "ihre deutschen Lehrmeister oft an Grausamkeit übertrafen" und "wie Wachs in den Händen der SS waren", "riegelten bei der Ankunft von Transporten die Umgebung ab, um die Neuankömmlinge an einer eventuellen Flucht zu hindern" (S. 54). War die Ansprache notwendig, um Widerstand zu verhindern? Kaum, denn solcher war seitens der verängstigten, von der langen Fahrt erschöpften Deportierten nicht ernstlich zu erwarten. Sie hätten einigen kurzen, in grobem und drohendem Ton erteilten Befehlen widerspruchslos gehorcht.
Wozu also diese Ansprache? Weshalb erzählte der SS-Mann
den neu Angekommenen, Sobibor sei ein Durchgangslager, von wo aus sie
bald in die Ukraine – oder nach Riga – weiterreisen würden?
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