Briefe 2012

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Erstveröffentlichung dieses Artikels: 01/02/2012 - Quelle: NJ-Autoren

From: dottorefrank@hotmail.com
Date: Mon, 23 Jan 2012 21:18:07
Subject: SCHWEINSKRAM: Zur freundlichen Kenntnis und gefälligen Verwendung

"Ehe der sich seine geliebte Kriegsschuld und den geheiligten Holocaust wegnehmen lässt, erklärt er lieber ein kotverkrustetes Lochhaus zum Sakralbau"

From: dottorefrank@hotmail.com
To: leserbriefe@spiegel.de
Subject: Herrn Rezensenten Georg DIEZ zur freundlichen Kenntnis
Date: Mon, 23 Jan 2012 20:35:01 +0100
SPIEGEL 3/16.1.12 S.130 ff Literatur

Georg Diez rezensiert Nicholson Bakers bei Rowohlt erschienenes HAUS DER LÖCHER

Ach, wie innig hoffte ich, dass mit Charlotte Roches Bestseller FEUCHTGEBIETE - "Dass ich in Muschisachen so gesund und in Arschsachen so verkrampft bin, liegt daran, dass mir meine Mutti ein riesen Kackproblem angezüchtet hat" - der literarische Ekel-Zenit ein für allemal überschritten sei, zumal sich Sackratte-Charlys Schicksal - "Außerdem habe ich schon viele Jahre, von fünfzehn bis heute, mit achtzehn, trotz eines wuchernden Hämorriden-Blumenkohls sehr erfolgreich Analverkehr" - auch arschsachenmäßig zum Guten wendete. International sollte Jonathan Franzens mit seinem 730-Seiten Wälzer "FREIHEIT" dem Schweinskram-Mount-Everest erklommen haben: "Eines Nachmittags wurde CONNIES Klitoris, ihrer Beschreibung zufolge, volle zwanzig Zentimeter lang, ein hervorstehender Stift der Zärtlichkeit, mit dem sie sanft die Lippen seines Penis teilte und bis zum Sockel seines Schafts hineinschob. An einem anderen Tag beschrieb JOEY, auf ihr Drängen hin, die glatte, warme Reinheit ihrer Würste, die, als sie aus ihrem Anus glitten und in seinen offenen Mund fielen, wie vorzügliche dunkle Schokolade schmeckten."

SPIEGEL aber belehrt mich eines Besseren: DAS HAUS DER LÖCHER, von DIEZ als versautestes Buch aller Zeiten berühmt, ward angerührt, indem man Lady Chatterley's Lover, Henry Miller und de Sade in einen Mixer warf "und dann noch", es läuft einem das Wasser im Munde zusammen, "literweise das dazukippte, was Männer beim Onanieren so herumspritzen: Kommrotz, Soße, Saft, Sackschuss, Dödelsirup, Sahnekleckse, das sind ein paar Nicholson-Baker-Wörter für das, was dabei rauskommt." Und wo? Aus dem "Dingdong, Pollock, United Parcel, Malcolm, Gladwell, Woody, langes Stück Geilheit, Mandingo, Moschusficker, Dickschwanz, massiger, pornokirrer Saftsprüher, wildgewordener Jacquard und langer Knochen, mmmf", natürlich.

Da an Originalität nicht zu überbieten, hat "Nicholson Baker sicher sehr gelacht, als er sich diese Wörter ausdachte, so sehr, dass sein wuscheliger weißer Bart bebte." Wie der Baum, mit dem es Luna treibt: "Sie spannte ihren Kegel-Liebesmuskel um den glatten, dick gewordenen Ast in ihr… Auch der Baum selbst erschauerte. Der frische Wuchs der Penisäste fiel ab" und der geneigte Leser vom Glauben, dass Baker noch alle Sahnekleckse im Saftsprüher hat.

Trotzdem schade, dass dieser "Roman, den nur Nicholson Baker, der Humanist, schreiben konnte, …nur die eine Weisheit parat" hat. Die aber knallt rein wie der Sackschuss in den Luderschlitz: "ALLE ORGASMEN SIND WUNDERVOLL." Und auch das bleibt für immer: "Wenn Du ein Solosexvideo machst, ist es wichtig, welchen BH du trägst. Es könnte die wichtigste Wahl sein, die du je triffst." Bakers wichtigste Wahl, die er je traf, war "MENSCHENRAUCH, wie der Zweite Weltkrieg begann und die Zivilisation endete", zu schreiben. Eine Textkollage aus verbürgten Meldungen, Zitaten, Anekdoten und Kommentaren.

Auf Seite 216 kommt der Ausbund des Bösen, Heinrich Himmler, zu Wort: "Wie grausam und tragisch jeder Einzelfall auch sein mag, ist diese Methode", die Umsiedlung der Juden, "immer noch die mildeste und beste, wenn man die bolschewistische Methode einer physischen Auslöschung eines Volkes aus innerer Überzeugung als undeutsch und unmöglich ablehnt." Diese, in einer Denkschrift niedergelegte Auffassung, befand der Apokalyptische himself, Hitler, gar für "gut und richtig", ehe er in seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940 "einen Appell an die Vernunft auch in England" richtete. "Es wird", wie weitsichtig, "dadurch ein großes Weltreich zerstört. Ein Weltreich, das zu vernichten oder nur zu beschädigen niemals meine Absicht war." Und: "Ich sehe keinen Grund, der zur Fortführung dieses Kampfes", fast alle der 50 Millionen Weltkriegs-Opfer waren noch am Leben, "zwingen könnte." Graf Ciano, der im Publikum saß: "Ich glaubte, er wünschte sich aufrichtig den Frieden. Alle hoffen und beten, dass sein Angebot nicht ausgeschlagen wird." Die BBC-Antwort folgte auf dem Fuße: "Herr Führer und Reichskanzler, wir werfen Ihnen diese unglaubliche Zumutung zurück, mitten in ihre übelriechende Führerfresse."

Bereits kurz nachdem England und Frankreich den Krieg erklärten, bekundete Hitler in seiner Danziger Karlshof-Ansprache: "Ich habe weder gegen England noch gegen Frankreich irgendein Kriegsziel. Die deutsche Nation gleich gar nicht… Ich hatte nur das große Ziel, mit dem britischen Volk ein aufrichtiges Freundschaftsverhältnis errichten zu können". Bakers Schlussfolgerung: "Ein paar Kriegshetzern zuliebe" allen voran Winston Churchill, "opferte England die Segnungen des Friedens".

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Wenn DIEZ so was liest, pollockt ihm der Dingdong und es kommt ihm der Kommrotz hoch: "Baker ist fasziniert von Normalität und Durchschnitt", zum Beispiel, alltäglicher geht's nicht, wenn Rhumpa sich's vom Porno-Monster mit den hundert Schwänzen besorgen lässt, "und als er einmal versuchte, aus Originalquellen die Geschichte des Zweiten Weltkrieges neu zu erzählen, in dem sehr kontroversen Buch 'Menschenrauch' von 2008, da ging das auch ordentlich schief". Was man von SPIEGEL-DIEZES Haus-der-Löcher-Rezension nicht behaupten kann. Ehe der sich seine geliebte Kriegsschuld und den geheiligten Holocaust wegnehmen lässt, erklärt er lieber ein kotverkrustetes Lochhaus zum Sakralbau.

Dr. Frank Kretzschmar
dottorefrank@hotmail.com


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